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Nur für harte Jungs: Jimmy’s Corner mit legendärem Boxtrainer am Tresen

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Besonders einladend wirkt der Eingang sicherlich nicht: „Jimmy’s Corner“ prangt in Großbuchstaben auf dem Zeltvorbau. Die Türe knarzt, Biergeruch strömt heraus. Das also ist die berühmte Boxer-Kneipe von Jimmy Glenn in New York.

Für Deutsche kommt Jimmy’s Corner noch dem am nächsten, was wir unter einer Kneipe verstehen. Hier ist alles anders als sonst üblich in amerikanischen Lokalen. Keine bildhübsche Hostess, die den Gast zum freien Sitzplatz geleitet. Kein Zwang zum Verzehr. Kein ritueller Bestellvorgang. Stattdessen: eine lange Theke, die den schmalen Gang halbiert, ein paar wacklige Tische im Bereich hinten, direkt vor den Toiletten, und mittendrin am Tresen Jimmy, der legendäre Boxtrainer (den Nachnamen benutzt keiner). Angeblich einer aus der Ringecke von Muhammad Ali. Man fragt nicht.

Jimmy fackelt nicht lange, wenn einer fragend im Gang steht. „Sit here“, sagt er einladend. Und dann sitzt man da. Das Bier kommt, bevor man lange grübelt. Ein paar „French Fries“ (Pommer) oder Chicken Wings – no problem. Und dann will man nicht mehr gehen.

Irgendwie passt Jimmy Corner, auf der Mitte zwischen dem InterContinental Hotel und dem Café Gregory’s gelegen, nicht in die auf Hochglanz geputzte Welt rund um den Times Square. Trendy wie die Läden in Soho ist hier nix. Jimmy Corner in der 44. Straße ist eine Zeitreise in eine Welt, als der Times Square wie die Reeperbahn in Hamburg Handfestes in den Abendstunden versprach. Es ist noch heute so: Wer mit rauer Stimme sein Bier bestellt, kommt schneller dran. Hunderte von Plakaten und Zeitungsausschnitten erzählen von den Boxkämpfen, die zehn Blocks weiter im Madison Square Garden stattgefunden haben und vermutlich anschließend hier gefeiert oder betrauert wurden. Etwas Schwermütiges hängt in der Luft. Die Erinnerung an die gute alte Zeit.

Nein, zum Dinner geht man nicht in Jimmy’s Corner. Es ist die perfekte Kneipe für das letzte Bier vor dem Schlafgehen in Midtown.

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